Krankheits- und Todesfälle durch verunreinigte THC-Liquids in den USA

Seit März 2019 kam es in den USA zu einer Häufung von Krankheitsfällen, die von den zuständigen Behörden CDC und FDA schnell mit der E-Zigarette in Verbindung gebracht wurden. Die ersten Fälle traten in Wisconsin, Minnesota und Illinois auf.

Laut CDC gibt es mittlerweile 1.299 Verletzte in 49 Staaten, dem District of Columbia und einem U.S.-Territorium sowie 26 Todesfälle in 21 Staaten der USA, die auf das mittlerweile VAPI (Vaping-Associated Pulmonary Injury) genannte Phänomen zurückgeführt werden.
Etwa 70% der Patienten sind männlich, 80% unter 35 Jahre alt, 21% im Alter von 18 bis 20 sowie 15% noch nicht volljährig (Daten von 1.043 der Patienten). Bei 573 Patienten ist bekannt, dass 76% von ihnen Produkte konsumierten, die THC enthielten, 32% sogar ausschließlich. Normale Liquids mit Nikotin wurden von 58% der Befragten benutzt, 13% gaben an, keine THC-Liquids konsumiert zu haben. (Stand: 10.10.2019)

Bekannt ist außerdem, dass es sich bei fast allen THC-Liquids um illegale Produkte handelte, die zumeist in sog. Pop-Up-Shops oder auf der Straße gekauft wurden. Außerdem wurden bereits vier Personen wegen der Herstellung bzw. dem Verkauf von THC-Liquids verhaftet.

Schon aus den empirischen Daten wird deutlich, dass die klassische E-Zigarette als Auslöser dieser Verletzungen und Todesfälle kaum in Frage kommt. Ein überwältigend großer Teil der Patienten hatte zugegeben, Liquids mit THC gedampft zu haben, viele davon sogar ausschließlich. Die Vermutung, dass ein kleiner Teil der Patienten den Konsum einer illegalen Droge lediglich nicht zugeben wollte, drängt sich nicht nur auf, sondern scheint schlüssig. In diesem Zusammenhang ist es ein unverständliches Versäumnis des CDC, dass es keine Empfehlung herausgegeben hatte, die Patienten einem THC-Urin-Test zu unterziehen.
Hinzu kommt, dass in allen untersuchten THC-Liquids vom Schwarzmarkt entweder Tocopherylacetat (Vitamin-E-Öl) oder Myclobutanil, ein Fungizid, durch das beim Erhitzen Cyanwasserstoff entstehen kann, gefunden wurden1. In klassischen Liquids waren keine verdächtigen Stoffe nachzuweisen.

Die Biopsien des Lungengewebes von 17 Patienten (Veröffentlicht am 02. Okt. 2019 im “New England Journal of Medicine”) zeigten akute Entzündungen der Lunge, verursacht durch toxische Stoffe. Die Schlussfolgerung der an der Veröffentlichung beteiligten Ärzte, es seien keine Anzeichen einer Lipidpneumonie gefunden worden, wurde von Prof. Dr. Michael Siegel, vom Department of Community Health Sciences an der Boston University School of Public Health, angezweifelt. Die Ergebnisse der Untersuchungen könnten durchaus auch auf eine Lipidpneumonie hindeuten, so Siegel.
Deutlich wird allerdings in jedem Fall, dass diese Verletzungen kaum Folge einer chronischen Erkrankung sein können, sondern auf einen relativ akuten Verlauf hindeuten. Das ist ein weiteres klares Indiz dafür, welches gegen die klassische E-Zigarette als Verdächtigen spricht. Denn viele der Patienten konsumierten bereits seit Jahren nikotinhaltige Liquids und hatten erst kurz vor den Vorfällen mit dem Dampfen von THC-Liquids begonnen.

Können diese Erkrankungen auch in Deutschland auftreten?

Da das Problem in den USA nichts mit normalen Liquids zu tun hat, sondern es um verunreinigte illegale THC-Liquids geht, besteht für einen Konsumenten klassischer Liquids in Deutschland grundsätzlich keine Gefahr.

Diese Problematik kann man als typisch für illegale THC-Liquids bezeichnen. Das fette Öl Tocopherylacetat wird als ein Verdickungsmittel eingesetzt, da dickflüssigere Liquids einen höheren THC-Gehalt und damit eine höhere Qualität vortäuschen. Pflanzenschutzmittel sowie Fungizide sind dem Umstand geschuldet, dass das THC unprofessionell und kostengünstig aus der Cannabispflanze gewonnen wird.
THC-Liquids schaden also der Gesundheit im Prinzip auch nur dann, wenn sie illegal hergestellt und verkauft werden.

Normale Liquids enthalten keine fetten Öle. Außerdem werden diese Liquids unter hohen hygienischen Standards hergestellt, somit kann man Verunreinigungen in der Regel ausschließen. Bis heute ist auch noch kein Fall von verunreinigten Liquids bekannt. Die Inhaltsstoffe werden zudem noch durch das Lebensmittelrecht und die Tabakerzeugnisverordnung geregelt.

Daher ist die Wahrscheinlich, dass es einen ähnlichen Fall wie in den USA auch in Deutschland gibt, sehr gering.

Die von einigen Dampfgegnern vorgebrachte Befürchtung, Lipidpneumonien könnten auch durch das im Liquid enthaltene Glycerin verursacht werden, entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Glycerin ist zwar Bestandteil aller natürlichen Fette und Öle, es ist selber jedoch ein Alkohol und bei Inhalation harmlos.

Die ETHRA (European Tobacco Harm Reduction Advocates) hat am 05. Oktober 2019 davor gewarnt, dass auch in Europa eventuell THC und CBD Kartuschen verkauft werden, die Verunreinigungen enthalten könnten. Nähere Informationen werden nicht genannt.
THC-Liquids sind in Deutschland illegal, sie sollten generell nicht gekauft werden. Liquids mit CBD sollten auf jeden Fall von einer vertrauenswürdigen Quelle bezogen werden. Normale Liquids betrifft dieses Problem nicht.

Fazit

Alle Indizien deuten recht klar darauf hin, dass die Erkrankungen und Todesfälle nichts mit der normalen E-Zigarette zu tun haben. Vielmehr scheinen Verunreinigungen in illegalen THC-Liquids die Ursache zu sein.

Es gibt in der Tat noch gewisse Unsicherheiten auf Seiten der FDA und dem CDC, da sie bis jetzt noch keinen einzelnen Stoff ausfindig machen konnten, der an allen Fällen beteiligt war. Allerdings kann als gesichert gelten, dass es sich um ein Problem mit illegalen THC-Liquids und nicht mit klassischen nikotinhaltigen Liquids handelt.
Zum jetzigen Stand gilt das Tocopherylacetat, ein fettes Öl, als Hauptverdächtiger in den THC-Liquids. Es ist jedoch auch denkbar, dass nicht ein Stoff alleine verantwortliche zeichnet, sondern in einigen Fällen auch Pflanzenschutzmittel bzw. Fungizide beteiligt sind.
Die von der CDC genannten Symptome (Husten, Atemnot oder Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Müdigkeit, Fieber, Bauchschmerzen) sind so diffus, dass sie sowohl für Lipidpneumonie als auch für akute Vergiftungen zutreffen könnten.
Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass diesem Phänomen irrtümlich auch Fälle zugerechnet wurden oder werden, die nichts damit zu tun haben.

Es gilt weiterhin: Bis heute ist noch keiner durch die klassische E-Zigarette erkrankt, geschweige denn davon gestorben.

Bisher bekannte Fakten in der Übersicht:

  • die Erkrankungen traten plötzlich in einem sehr kurzen Zeitraum auf
  • sie betreffen nur Menschen in einem sehr begrenzt Raum (kein Fall außerhalb Nordamerikas)
  • die Symptomatik tritt akut und zumeist sehr heftig auf (kein langwieriger, chronischer Verlauf)
  • fast alle Betroffenen (76%) haben angegeben, THC-Liquids konsumiert zu haben (32% ausschließlich)
  • es sind vor allem junge Menschen unter 35 Jahren betroffen
  • Biopsien weisen auf akute Entzündungen durch Toxine oder Lipide hin
  • in untersuchten illegalen THC-Liquids wurde Tocopherylacetat und/oder Myclobutanil
  • in keinem der untersuchten klassischen nikotinhaltigen Liquids wurden verdächtige Stoffe gefunden

1) NBCNews: Tests show bootleg marijuana vapes tainted with hydrogen cyanide

Weitere Quellen:

Dr. K. Farsalinos: The witch hunt against e-cigarettes continues while people get sick from illicit THC and remain uninformed

Dr. Michael Siegel: CDC Finally Admits that Black Market THC Vape Carts are a Major Culprit in Respiratory Disease Outbreak
Dr. Michael Siegel: CDC’s Failure to Demand Urine THC Testing of All Outbreak Patients is Inexcusable and is Putting the Entire Nation at Risk
Dr. Michael Siegel: New Mayo Clinic Study Further Implicates Contaminated THC Oils in Respiratory Disease Outbreaks and Refutes Claim that Store-Bought Nicotine E-Liquids are Involved
Dr. Michael Siegel: Utah Department of Health Concludes that THC Vape Cartridges are Causing Respiratory Disease Outbreak; Issues Specific Warning against Use of THC Oils

VdeH: E-Zigaretten nicht ursächlich für Lungenerkrankungen; Mahnung zur journalistischen Sorgfalt

Informationsseite “E-Zigaretten sind nicht schuld”

FDA: Vaping Illness Update: FDA Warns Public to Stop Using Tetrahydrocannabinol (THC)-Containing Vaping Products and Any Vaping Products Obtained Off the Street

Interview in der Egarage: „Wenn nicht experimentiert wird, besteht keine erhöhte Gefahr“

Video auf YouTube von Prof. Dr. Bernd Mayer: Dampfen statt Rauchen Teil 22 – Tödliches Dampfen in USA (Teil 3)

ÄrzteZeitung: Branche warnt vor illegalen E-Joints