Ist Sucralose beim Dampfen schädlich?

Sucralose ist eine chlororganische Verbindung und als Süßstoff unter der Nummer E955 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Sie süßt etwa 600-mal stärker als Saccharose (Kristallzucker). Sucralose wird nicht nur in Lebensmitteln verwendet, sondern, bis vor kurzem, auch in vielen Liquids.

Nun ist aber um die Sucralose eine Diskussion entbrannt, genauer gesagt um die Stoffe, die bei der Erhitzung von Sucralose entstehen können. Prof. Dr. Bernd Mayer hatte dazu im E-Dampfen-Forum am 06.09.2019 geschrieben:

“Bisher gibt es erst eine publizierte Emissionsanalyse Sucralose-haltiger Liquids, in der allerdings nicht auf Kokeln kontrolliert wurde. Nachdem die Autoren unrealistische Carbonylwerte gefunden haben und der Meinung sind, Nutzer würden das Kokeln zur Befriedigung ihrer Nikotinsucht ertragen (die fehlenden Kontrollen seien also wurscht), glaube ich denen auch die gemessenen Konzentrationen an chlorierten Zersetzungsprodukten der Sucralose nicht.
(Link zur Studie: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.chemrestox.9b00047)

Ohne Emissionsanalysen lässt sich die Exposition mit diesen Verbindungen nicht abschätzen. Ich rate aber einstweilen dazu Sucralose-haltige Liquids zu meiden. Die Zersetzungsprodukte sind doch einigermaßen ekelhaft. Zumindest sollten die Hersteller verpflichtet werden, den Sucralosegehalt ihrer Liquids und Aromen zu deklarieren, damit man weiß, woran man ist und selbst entscheiden kann. Als Konsument würde ich die Händler diesbezüglich unter Druck setzen.

Letztendlich war das BfR bei seiner (exzellent recherchierten) Beurteilung der Risiken des Backens oder Bratens Sucralose-haltiger Lebensmittel ebenso ratlos wie ich das bei der Beurteilung allfälliger Risiken beim Dampfen bin.”

In der erwähnten Beurteilung kam das BfR zu dem Schluss:

“Bis zu einer abschließenden Risikobewertung empfiehlt das BfR, Sucralose-haltige Lebensmittel nicht auf Temperaturen zu erhitzen, wie sie beim Backen, Frittieren und Braten entstehen, oder Sucralose erst nach dem Erhitzen zuzusetzen.”

Dabei geht es dem BfR nicht um Sucralose in Liquids, sondern um den Einsatz des Süßstoffs in Lebensmitteln, die üblicherweise erhitzt werden. Da Liquids beim Vernebeln jedoch auch kurzzeitig ähnlichen Temperaturen ausgesetzt sein können, ist diese Beurteilung auch für Dampfer von Interesse.
Diese Empfehlung ist jedoch nicht als Warnung vor Sucralose oder dem Erwärmen von Lebensmitteln, die Sucralose enthalten, zu verstehen. Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, da eine Risikobewertung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich ist.

“Für eine abschließende Risikobewertung fehlen derzeit jedoch Daten. Unklar ist einerseits, welche toxischen Reaktionsprodukte sich im Detail bilden und andererseits, in welchen Mengen sie entstehen, wenn man Sucralose-haltige Lebensmittel auf Temperaturen über 120 °C erhitzt. Ferner sind für die Expositionsschätzung im Rahmen einer Risikobewertung repräsentative Daten zu Gehalten in entsprechend hergestellten Lebensmitteln notwendig.”

Worum geht es genau?

Es geht nicht um die Sucralose an sich, sondern darum, dass sich bei Temperaturen über 120°C aus der Sucralose chlorierte Verbindungen wie Dibenzo-p-dioxine (PCDD) bzw. Dibenzofurane (PCDF) oder Chlorpropanole bilden. Das sind Stoffe, die teilweise bereits in kleinen Mengen toxisch bzw. kanzerogen wirken können. Scheinbar braucht die Bildung nennenswerter Mengen allerdings einige Minuten. Das Liquid in einer E-Zigarette wird in der Regel wiederum nur für wenige Sekunden erhitzt.

Das Hauptproblem ist, dass aktuell keine Daten vorliegen, ob und wie viel dieser Stoffe beim Dampfen gebildet werden. Weder das BfR hat dazu ausreichende Daten vorliegen, noch gibt es Studien, die ausreichende Informationen für eine fundierte, seriöse Risikoeinschätzung liefern. Denn die Menge der Schadstoffe, die entstehen, hängt nicht nur von der Temperatur und Dauer der Erhitzung ab, sondern von weiteren Faktoren, wie Art und Material der Coil oder Zusammensetzung des Liquids. Nicht zuletzt spielt natürlich auch eine Rolle, wie viel Sucralose überhaupt im Liquid enthalten ist. Daher hat Prof. Dr. Bernd Mayer am 08.09.2019 auf Facebook klargestellt:

“[…] Im Wesentlichen sage ich, dass
(i) bei Erhitzung von Sucralose toxische Substanzen entstehen,
(ii) aufgrund fehlender Emissionsanalysen unklar ist, ob das Dampfen solcher Liquids schädlich ist und
(iii) man bis zum Vorliegen einer verlässlichen Risikoanalyse Sucralose-haltige Liquids meiden sollte. […]”

Viele Händler haben mittlerweile reagiert und bieten Versionen ihrer Liquids und Aromen ohne Sucralose an oder verwenden diesen Süßstoff gar nicht mehr bzw. planen dies für die Zukunft. Auch der Händlerverband VdeH hat auf die Sucralose-Problematik reagiert und eine Emissionsanalyse in Auftrag gegeben.

“Der Verband des eZigarettenhandels nimmt das Thema Sucralose in E-Liquids sehr ernst. Da es momentan jedoch lediglich Hinweise, aber keine konkreten Fakten gibt, haben wir zunächst eine toxikologische Emissionsanalyse auf Basis von realen Bedingungen beauftragt. Mit ersten Ergebnissen der Analyse rechnen wir in Kürze. Dadurch erhoffen wir uns, etwas mehr Klarheit für die Branche zu schaffen, und ein eventuelles Risiko durch Sucralose auf Basis wissenschaftlicher Fakten beurteilen zu können.”

Der Brangenverband BfTG hatte bereits vor einiger Zeit Prof. Dr. Bernd Mayer mit einem Gutachten zum Thema Sucralose beauftragt. Aufgrund dessen hat er seinen Mitgliedern empfohlen, auf Sucralose vorsorglich zu verzichten.

Fazit

Aktuell kann niemand seriös sagen, inwiefern es ein Gesundheitsrisiko bei der Verwendung von Sucralose in Liquids und Aromen gibt und wie groß es sein könnte. Aussagekräftige fundierte Fakten, die eine sachliche Einschätzungen erlauben, wird es wahrscheinlich erst in einigen Monaten, vielleicht sogar Jahren, geben.

Die Empfehlung, auf Sucralose zu verzichten, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es bleibt jedem Konsumenten selbst überlassen, wie er mit der Problematik umgeht. Da zu erwarten ist, dass auf den Liquids und Aromen zunehmend angegeben sein wird, ob sie Sucralose enthalten und viele Hersteller Produkte ohne dieses Süßungsmittel anbieten, ist die Möglichkeit gegeben, ohne Sucralose zu dampfen.