Nikotin

Nikotin (C10H14N2) ist ein Alkaloid, welches vor allem in der Tabakpflanze zu finden ist. In weitaus geringeren Mengen kommt es aber auch in den Blättern anderer Nachtschattengewächse (z.B. Tomaten, Kartoffeln oder Auberginen) vor. Das Alkaloid dient den Pflanzen als Schutz vor Fressfeinden (Insekten).

Nikotin ist ein Stimulanz, welches ab einer gewissen Dosis toxisch wirkt. Der oft verwendete Begriff “Nervengift” ist jedoch irreführend und unsachlich. In geringer Dosierung, wie etwa beim Dampfen, ist Nikotin für gesunde Menschen nicht schädlich und erst recht nicht giftig. Im Gegenteil, Nikotin hat in diesen Mengen sogar positive Eigenschaften.
Nikotin stimuliert nicotinische Acetylcholinrezeptoren und fördert die Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Serotonin. Die Anflutungsgeschwindigkeit von Nikotin im Gehirn ist weit langsamer, als oft angenommen. Es dauert etwa drei bis fünf Minuten, bei inhalativer Aufnahme, bis die maximale Sättigung erreicht ist. Bei Menschen, die an Nikotin gewöhnt sind, geschieht dieser Vorgang etwas schneller, als bei nikotinnaiven Menschen.1

Je nach Dosierung hat es eine anregende bzw. entspannende Wirkung und verbessert die Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung sowie Feinmotorik. Zudem wird vermutet, dass Nikotin bei Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer und Ulzerativer Colitis protektiv wirkt.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Nikotin beim Dampfen sind mit denen von Koffein vergleichbar.
Der Blutdruck wird etwas erhöht und der Puls beschleunigt. Diese Effekte sind gut bekannt und halten nicht sehr lange an. Sie stellen für einen gesunden Menschen keine gesundheitliche Gefahr dar.

Im Dampf übernimmt Nikotin auch eine ähnliche Funktion wie Koffein im Kaffee. Wie bereits erwähnt, entspannt oder belebt es und erzeugt den sogenannten “Throat-Hit” (das Kratzen im Hals bzw. ein leichter Druck auf der Brust), welcher besonders von Ex-Rauchern erwünscht ist. Nikotin verleiht dem Dampf eine gewisse kräftigere “Haptik”. Für einige Dampfer ist Nikotin auch so etwas wie ein Geschmacksverstärker.

Beim Dampfen besteht keine Gefahr der Vergiftung, da es unmöglich ist, durch das Dampfen eine gefährliche Konzentration von Nikotin im Körper zu erreichen. Eine zu hohe Dosis, die jedoch noch weit von einer ernsthaften Vergiftung entfernt ist, bemerkt der Dampfer sehr schnell durch Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. Diese Symptome verschwinden nach kurzer Zeit wieder, wenn einfach für eine Weile nicht gedampft wird. Denn Nikotin wird im Körper relativ rasch verstoffwechselt.

Die tödliche Dosis von Nikotin liegt etwa bei 500 bis 1000mg für einen Erwachsenen Menschen. In einem handelsüblichen Liquid (bis 20mg/ml Nikotin bei 10ml Inhalt) sind maximal 200mg enthalten, es ist also schwer möglich, sich mit einer Flasche Liquid ernsthaft zu vergiften.
Oral ist die Gefahr grundsätzlich nicht groß, sich zu vergiften, da der Körper sofort mit Abwehrmaßnahmen wie Übergeben und Durchfall reagiert. Zusammen mit der Fähigkeit des Körpers, Nikotin relativ schnell abzubauen, ist es also fast unmöglich, genug Nikotin aufzunehmen um eine tödliche Konzentration im Körper zu erreichen.

Auch bei Kontakt mit der Haut besteht keine sehr große Gefahr. Nikotin wird vergleichsweise langsam über die Haut aufgenommen. Kommt man mit Liquid in Kontakt, reicht einfaches abwaschen vollkommen aus.
Einen Kontakt mit Schleimhäuten am Auge sollte man generell vermeiden, da dies sehr schmerzhaft sein kann.

Nikotin gilt nicht als krebserregend.

Thema Abhängigkeit

Nikotin und das Thema Abhängigkeit wurden bis vor kurzem in der Wissenschaft fast nur in Verbindung mit Tabak untersucht. Beim Rauchen entstehen jedoch viele verschiedene Substanzen, die auf die Psyche wirken. In diesem Verbund spielt Nikotin bei einer eventuellen Tabakabhängigkeit eine Rolle, ist aber sehr wahrscheinlich nicht der allein entscheidende Faktor.
Im Rauch einer Zigarette sind sog. Monoaminooxidase-Hemmer (MAOI) enthalten, die den Abbau von Monoaminen (wie Serotinin, Dopanin und Noradrenalin) hemmen. Sie verstärken in hohem Maße die Wirkung des Nikotins im Tabak, welches die Freisetzung dieser Stoffe anregt2.
Nikotin ohne Tabak scheint nur ein geringes bis gar kein Abhängigkeitspotenzial zu besitzen. Es dürfte hier vergleichbar mit Koffein sein.

“There is very little to no evidence for the abuse of nicotine when not delivered in a tobacco vehicle.” (Dr. Karl Fagerström)

Bis heute konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, dass Nikotin ohne Tabak überhaupt abhängig macht. In Tierversuchen zeigten nikotinnaive Versuchstiere keine Anzeichen einer Abhängigkeit.
Zudem scheinen Studien am Menschen ein Abhängigkeitspotenzial eher zu widerlegen. Zum Beispiel zeigte in einer Studie, bei der den Probanden über ein halbes Jahr tranzdermal 15mg Nikotin am Tag verabreicht wurde, anschließend keiner der Teilnehmer irgendein Anzeichen einer Abhängigkeit.

Kinder und Haustiere

Liquids (mit Nikotin) gehören nicht in die Hände von Kindern und sollten auch nicht in die Schnauzen von Haustieren gelangen.
Bei Kindern ist die tödliche Dosis, aufgrund der geringeren Größe, naturgemäß niedriger.
Hier gilt also die gleiche Sorgfaltspflicht wie bei anderen potenziell giftigen Flüssigkeiten, wie alkoholischen Getränken, Reinigungsmitteln oder Medikamenten.

Schwangere und Menschen mit Herz- Kreislauferkrankungen

Die Faktenlage ist sehr klein, was das Risiko für Schwangere durch Nikotin betrifft. Klare Hinweise auf eine Schädigung ungeborenen Lebens fehlen aktuell. Lediglich in Tierversuchen mit Mäusen konnten Beeinträchtigungen des ungeborenen Lebens festgestellt werden, die jedoch nicht so ohne weiteres auf den Menschen übertragbar sind, da Nagetiere ganz anders auf Nikotin reagieren.
Nikotinpräparate gelten in der Schwangerschaft als sicher, was den Schluss zulässt, dass dies auch für das Nikotin in der E-Zigarette gilt.

Weitere ausführliche Informationen zu diesem Thema gibt es unter dem Menüpunkt »Schwangerschaft«.

Hinweise darauf, dass Nikotin das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nennenswert erhöht, gibt es aktuell nicht.
Allerdings sollte bei Vorerkrankungen das absolute Vorsorgeprinzip gelten, da es hier explizit um Leben und Tod geht. Wenn möglich, sollte man also aus Gründen der Vorsicht in diesen Fällen auf Nikotin verzichten.

Ganz klar ist auf jeden Fall: Im Vergleich zum Tabak ist die E-Zigarette auch für Risikogruppen die weitaus weniger riskante Variante, selbst mit Nikotin im Liquid.

Nikotin und Krebs

Nikotin selbst ist nicht krebserregend und es steh auch aktuell nicht im Verdacht, krebserregend zu sein.
Es gibt allerdings den Verdacht, dass es möglicherweise bei einer bestehenden Krebserkrankung das Tumorwachstum begünstigen könnte, weil es die Überlebensfähigkeit von Zellen erhöht und die Bildung neuer Blutgefäße anregt. Es könnte somit einer Chemotherapie entgegenwirken. Einen klaren wissenschaftlichen Nachweis hierfür gibt es aktuell allerdings noch nicht.
Dennoch sollten Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Nikotin vorsorglich vermeiden.

Nikotin und Wundheilung

Es spricht vieles dafür, dass Nikotin bei der Wundheilung förderlich sein könnte oder zumindest keinen negativen Einfluss auf sie hat. Allerdings ist die Studienlage teilweise noch sehr widersprüchlich, daher lässt sich eine klare Aussage zu diesem Thema zum derzeitigen Zeitpunkt nicht treffen.

Video von Prof. Dr. Bernhard-Michael Mayer zur Geschichte der Korrektur der tödlichen Dosis von Nikotin.

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Wissenschaftliche Quellen:
1) Jet E. Rose (et al.): Kinetics of brain nicotine accumulation in dependent and nondependent smokers assessed with PET and cigarettes containing 11C-nicotine
2) Christophe Lanteri (et al.): Inhibition of Monoamine Oxidases Desensitizes 5-HT1A Autoreceptors and Allows Nicotine to Induce a Neurochemical and Behavioral Sensitization
Bernd Mayer: How much nicotine kills a human? Tracing back the generally accepted lethal dose to dubious self-experiments in the nineteenth century
Newhouse (et al.): Nicotine treatment of mild cognitive impairment: a 6-month double-blind pilot clinical trial.
Catherine L. Ford (et al.): Nicotine Replacement Therapy and Cardiovascular Disease
Hansson J. (et al.): Use of snus and risk for cardiovascular disease: results from the Swedish Twin Registry.
Jong Won Kim (et al.): Effects of nicotine on corneal wound healing following acute alkali burn
Chelsea Troiano (et al.): Association of Electronic Cigarette Vaping and Cigarette Smoking With Decreased Random Flap Viability in Rats